Zöliakie Diagnostik
bei Erwachsenen
bei Erwachsenen
Du hast den Verdacht, du könntest Zöliakie haben? Oder in der Familie gibt es bereits Personen, die betroffen sind? Dann erfährst du hier das genaue Vorgehen, um eine sichere Aussage zu bekommen, ob eine Zöliakie besteht oder nicht. Nachfolgend kannst du dir auch eine Checkliste für die Diagnostik herunterladen mit allen wichtigen Schritten zum Ankreuzen.
Solltest du den Verdacht haben, du könntest Zöliakie haben, ist die wichtigste Voraussetzung für eine gute Diagnostik, dass du auf keinen Fall Gluten in deiner Ernährung reduzierst. Gut gemeinte Ratschläge, auch von Ärzten, Heilpraktikern oder Freunden, einen Diätversuch zu machen, sind leider hinderlich für das Ziel, möglichst bald eine sichere Aussage treffen zu können. Denn die Veränderungen im Blut und an der Darmschleimhaut bilden sich langsam unter einer glutenfreien Ernährung zurück und sind dann nicht mehr sicher nachweisbar. Wenn du dann bereits länger als 4 Wochen auf Gluten weitgehend verzichtet hast, kann es durchaus sein, dass man aus den Tests die falschen Rückschlüsse zieht, nämlich dass keine Zöliakie besteht. Lag das nur am Diätversuch, wäre das für dich natürlich ungünstig. Daher:
Keine glutenfreie oder glutenreduzierte Ernährung vor der Zöliakie-Diagnostik!
Ich habe häufig Kontakt mit Betroffenen gehabt, die schon ohne fundierte Diagnostik über einen längeren Zeitraum auf Gluten verzichtet hatten. Durch diesen Verzicht berichten sie oft von einer deutlichen Besserung ihrer Beschwerden. Aber sie wussten eben auch nie, ob sie jetzt eine Zöliakie haben oder nicht. Sobald sie jedoch positive Veränderungen bemerken, sind sie in der Regel nicht mehr bereit, erneut Gluten zu sich zu nehmen – selbst wenn eine genaue Diagnose noch aussteht.
Ich kann das durchaus gut verstehen, denn wer setzt sich dem freiwillig wieder aus, wenn es ihm oder ihr schon besser geht und weiß, welche Beschwerden auf ihn bzw. sie warten. Dennoch ist es ja wichtig zu wissen, ob man eine Zöliakie hat oder ob die Beschwerden doch andere Gründe hatten. Damit es dir nicht so geht, sollst du gleich den richtigen Weg einschlagen.
Der einfachste und daher erste diagnostische Schritt sollte die Blutentnahme auf die Zöliakie-Antikörper sein. Dabei ist der Gewebstransglutaminase-IgA Antikörper (Abk. TTG-IgA-Ak) zusammen mit der Bestimmung des Gesamt-IgA-Wertes in der Regel ausreichend und relativ kostengünstig. Das Gesamt-IgA ist deshalb wichtig, weil ein Mangel an Antikörpern aus dieser Untergruppe der häufigste (oft unentdeckte) Immundefekt in unserer Bevölkerung ist. Die betroffenen Personen bilden dann nicht ausreichend IgA-Antikörper und im Fall einer Zöliakie auch nicht vermehrt Gewebstransglutaminase-IgA-Antikörper. Ohne Kenntnis über den IgA-Mangel wird
ein unauffällig niedriger TTG-IgA-Test aber als „keine Zöliakie“ beurteilt. Bei einem IgA-Mangel wäre das aber vielleicht eine Fehlinterpretation. Diese
Sondersituation erkläre ich dir in diesem Beitrag genauer.
Im Normalfall wird das Gesamt-IgA in der Norm liegen und man kann den Transglutaminase-IgA-Antikörper direkt interpretieren:
- Ein unauffälliger Wert (also in der Norm) bedeutet, dass eine Zöliakie eher unwahrscheinlich ist.
- Ein erhöhter Wert (über der Norm) ist verdächtig und sollte weiter abgeklärt werden.
Der nächste Schritt, immer noch unter glutenhaltiger Ernährung, wäre die Überweisung zum Gastroenterologen zur Durchführung der Magenspiegelung.
Dabei werden Proben aus dem Zwölffingerdarm entnommen und untersucht, ob die typischen Veränderungen an der Schleimhaut nachzuweisen sind.
Gut zu wissen!
Es ist dringend empfohlen, ausreichend viele, nämlich mind. 5-6 Proben, an unterschiedlichen Stellen aus dem Zwölffingerdarm zu entnehmen. Es hat sich gezeigt, dass die Veränderungen im Dünndarm nicht immer gleichmäßig ausgebreitet sind. Bei vielen Betroffenen sind die Veränderungen eher wie auf einem Stoppelfeld mal hier mehr und dort weniger stark nachzuweisen. Nimmt man dann zu wenige Proben (z.B. nur 1-2), kann dadurch eine Zöliakie übersehen werden. Ich gebe zu, es ist sehr schwer dem Arzt „vorzuschreiben“, wie viele Proben er entnehmen soll. Aber es geht ja um deine Gesundheit, daher wäre ein freundliches Nachfragen durchaus in deinem Sinne. Da die Empfehlungen in der deutschen Zöliakie-Leitlinie auch so festgehalten sind, entspricht das Vorgehen den schulmedizinischen Standards, auf die man sich auch beziehen darf.
Der Pathologe, der Facharzt zur Beurteilung von Geweben und Zellen, schaut sich die entnommenen kleinen Gewebsstücke genau unter dem Mikroskop an. Dabei sieht er, ob die Schleimhaut regelrechte Strukturen zeigt oder Zöliakie-typische Auffälligkeiten aufweist.
Die Dünndarmschleimhaut ist zur Vergrößerung ihrer Oberfläche in Falten gelegt. Dabei ragen die Zotten als Erhöhungen in das Darminnere. In den Krypten, den Vertiefungen, werden neue Zellen nachgebildet, um die Schleimhaut ständig zu erneuern. Typisch für die Zöliakie ist die Verkürzung der Zotten, die unterschiedlich stark ausfallen kann.
Wichtig zu wissen!
Es gibt aber auch andere Krankheiten, die ein ähnliches Bild an der Schleimhaut bieten, das sollte man in der Abklärung berücksichtigen. Das gilt insbesondere dann, wenn keine Zöliakie-Antikörper nachzuweisen sind.
Wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind, muss ein Arzt diese zusammenführen und beurteilen, ob nun alles auf eine Zöliakie hinweist. In vielen Fällen wird das der Hausarzt sein, da die Gastroenterologen oft nur die Spiegelungen vornehmen und die Betroffenen dann zurück an den Hausarzt verweisen.
Eine Zöliakie gilt beim Erwachsenen als eindeutig gesichert, wenn
und
Der Hausarzt sollte dir dann die Diagnose mitteilen und weitere Schritte einleiten, die notwendig sind: Das sind weitere Blutuntersuchungen, um zu sehen, welche Vitamine und Mineralstoffe bei dir auf Grund der Zöliakie fehlen und welche Organe mit einbezogen sind (z.B. Leber, Schilddrüse). Und natürlich sollte eine professionelle Ernährungsberatung dich auf deinen glutenfreien Weg führen.
Hier nochmal ein kurzer Überblick, welche Untersuchungen durchgeführt werden müssen, um eine Zöliakie festzustellen:
1. Blutentnahme auf die Gewebstransglutaminase-IgA-Antikörper (TTG-IgA-Ak) und das Gesamt-IgA
2. Durchführung einer Magenspiegelung mit Entnahme einer ausreichenden Anzahl an Proben (mind. 5-6) an verschiedenen Stellen des Zwölffingerdarms
Sind beide Tests auffällig, also die Antikörper sind erhöht über dem Normbereich und die Schleimhaut weist eine Abflachung der Zotten auf, ist die Diagnose bewiesen.