IgA-Mangel bei Zöliakie

IgA-Mangel
bei Zöliakie

Das Immunglobulin A oder kurz IgA wird vor allem an Schleimhäuten und in Körperflüssigkeiten gebildet und stellt damit eine erste und wichtige Barriere gegen eindringende Fremdstoffe und Erreger dar. Daher findet man größere Mengen an der Darmschleimhaut und in den Atemwegen, aber auch in Tränenflüssigkeit, Speichel oder auch der Muttermilch. Erreger können also schon an der Grenze der Schleimhaut abgefangen und damit unschädlich gemacht werden.

Ich hatte bereits erläutert, dass Antikörper erst im Laufe des Lebens durch Kontakt mit Fremdstoffen und Krankheitserregern gebildet werden. Auch die IgA-Antikörpergruppe ist nicht von Geburt an in gleichem Maße vorhanden, wie im späteren Leben. Neugeborene haben noch nicht messbare Spiegel im Blut. Sie steigen dann langsam in den ersten Lebensjahren an und etwa ab dem 4. Lebensjahr kann man von einer stabilen IgA-Produktion ausgehen. Sind die Werte dann immer noch sehr niedrig, könnte ein IgA-Mangel vorliegen. Beim Erwachsenen sollte der Messwert zwischen 70 und 400 mg/dl (oder 0,7-4,0 g/l) liegen. Altersentsprechende Normwerte findest du in der Tabelle.

Gut zu wissen

Im Übrigen bedeutet ein einmalig niedrig gemessener IgA-Wert nicht sofort, dass man einen Mangel hat. Dieser kommt gelegentlich vorübergehend vor, so dass eine Kontrolle eines zu niedrigen IgA-Wertes nach 1-2 Monaten sinnvoll ist.

Wird ein IgA-Mangel festgestellt, sollten auch die weiteren Antikörper, also IgM und IgG untersucht werden, um das Ausmaß des Immundefektes festzustellen. Regelmäßige Kontrollen (alle 2 Jahre) der IgG-Werte sind anzuraten, da es im Laufe der Zeit zu einem zusätzlichen Verlust dieser Immunfunktion kommen kann.

Gut zu wissen

Deamidierte Gliadinpeptide entstehen bei der Verdauung von Gluten. Unser Darm kann Gluten nicht in kleinste Eiweißbausteine (= Aminosäuren) zerlegen. Dafür haben wir nicht die entsprechenden Verdauungsenzyme. Es verbleiben daher etwas längere Eiweißbruchstücke (= Peptide), die in der Darmschleimhaut bei der Aufnahme in den Körper leicht chemisch verändert, nämlich deamidiert, werden. So entstehen deamidierte Gliadinpeptide und gegen diese werden bei Zöliakie Antikörper gebildet.

Kurz zusammengefasst

Ich weiß, das sind sehr viele Informationen, daher möchte ich sie dir hier noch einmal zusammenfassen:

  • Ein IgA-Mangel ist ein häufiger Immundefekt in unserer Bevölkerung und bleibt bei der Hälfte der Betroffenen symptomlos und daher unerkannt.

  • Ein IgA-Mangel kommt besonders häufig mit Autoimmunerkrankungen wie der Zöliakie gemeinsam vor.

  • Bei einem IgA-Mangel sind die üblichen Bluttests auf Zöliakie nicht gut aussagekräftig. Daher muss immer auch ein Gesamt-IgA-Wert mit untersucht werden, um den Zöliakie-Antikörper korrekt bewerten zu können.

  • Im Falle eines IgA-Mangels werden die IgG-Antikörper gegen Gewebstransglutaminase (TTG) oder gegen deamidierte Gliadinpeptide (DGP) verwendet.

  • Finden sich erhöhte IgG-Antikörper gegen TTG oder DGP, muss eine Magenspiegelung mit Dünndarmbiopsie zur Bestätigung der Zöliakie erfolgen.

Dr. Stephanie Baas

Dr. Stephanie Baas

Ärztin und Zöliakie-Expertin

Ich habe fast 20 Jahre lang die medizinische Beratung bei der DZG durchgeführt und konnte in dieser Zeit viel praktische Erfahrung sammeln.