Eiweißreiche Ernährung und High Protein - Schnitzer

Eiweißreiche Ernährung und der High Protein-Trend.
Was ist wichtig?

Was bedeuten denn nun die Begriffe „Proteinquelle“ und „high protein“?

Als „Proteinquelle“ darf ein Lebensmittel bezeichnet werden, das mindestens 12% der Energie aus Protein enthält. Bei „High protein“ oder “Reich an Protein” müssen es mehr als 20% sein. Dabei entspricht ein Gramm Eiweiß 4 Kilokalorien (Kcal).So enthält Magerquark z.B. etwa 13-14g Eiweiß oder Skyr fast ähnlich viel mit 11-13g. Fleisch und Fisch liegen sehr weit vorne: Hühnchenbrust mit 31g, Rindfleisch und Lachs bei 25-26g. Aber auch einige pflanzliche Lebensmittel können da durchaus mithalten: Linsen und Erbsen sind bei 8-9gpro 100g gekochte Hülsenfrüchte. Auch Tofu liegt in diesem Bereich. Mandeln und Chiasamen liegen zwischen 17 und 21g. Das bezieht sich immer auf 100g des jeweiligen Lebensmittels. Du siehst also, dass du auch schon mit der Auswahl deiner Lebensmittel eine ganze Menge Eiweiß zu dir nehmen kannst.

Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß

Die Sache mit der biologischen Wertigkeit 

Beim Eiweiß spielt es aber eine ganz wichtige Rolle, wie es zusammengesetzt ist. Ein Eiweiß ist eine lange Kette aus einzelnen Bausteinen, den Aminosäuren. Unser Körper benötigt für den Aufbau unserer eigenen Eiweiße in Muskeln und anderen Geweben 20 verschiedene Aminosäuren. Zwölf davon kann unser Körper selbst herstellen, acht müssen wir über die Nahrung aufnehmen. Diese acht nennt man daher essentielle Aminosäuren. Fehlt einem Lebensmittel eine oder mehrere dieser essentiellen Aminosäuren, dann ist seine biologische Wertigkeit geringer. Als Bezugspunkt wurde das Hühnerei verwendet und auf 100 gesetzt. Mit der biologischen Wertigkeit wird angegeben, wie gut unser Körper aus dem aufgenommenen Eiweiß wiederum selbst benötigte Eiweiße herstellen kann. Kann ein Eiweiß den Bedürfnissen schlechter entsprechen, liegt es unter 100. Können körpereigene Proteine nach dem Verzehr besonders effektiv aufgebaut werden, liegt sein Wert über 100. Allgemein kann man davon ausgehen, dass unsere Körper tierische Proteine besser verwerten kann. Aber auch etliche pflanzliche Lebensmittel liefern unserem Körper alles, was er braucht. Dazu gehören z.B.Tofu/Soja-Produkte, Quinoa und Chiasamen.

Gluten in Fleischersatzprodukten

Der Zusatz von Gluten, also dem Klebereiweiß im Getreide, in Eiweißbrot sorgt zwar für eine Steigerung des Gesamteiweißgehaltes, aber Gluten hat nur eine biologische Wertigkeit von 38, also eher gering. Daher bringt es dem Körper recht wenig, wenn dieses zugefügt ist. Veganer greifen manchmal zu Saitan als Fleischersatz. Saitan wird aus Weizen hergestellt und ist praktisch reines Gluten. Als Eiweißquelle – wie du nun weißt – also nur wenig nützlich für den Körper.

Kurz zusammengefasst

  • Der menschliche Körper hat einen Eiweißbedarf von etwa 0,8g pro Kilogramm Körpergewicht (Erwachsener), um gut versorgt zu sein.

  • Eiweiß ist ein wichtiger Baustein für Muskulatur, Immunsystem und Stoffwechsel.

  • Das mit der Nahrung aufgenommene Eiweiß muss alle Aminosäuren enthalten, die unser Körper nicht selbst herstellen kann, nur dann ist es für dich sinnvoll.

  • Eine Anreicherung von Lebensmitteln mit Eiweiß geht meist über den eigentlichen Bedarf hinaus.

  • Zöliakie-Betroffene sollten auf wertvolle natürliche Zutaten in ihren glutenfreien Produkten achten, um bestmöglich versorgt zu sein.

  • Die Mischung machts: geeignete Kombinationen aus verschiedenen Lebensmitteln ergänzen sich zu einer hochwertigen Ernährung, die deinen Körper gesund hält.

Dr. Stephanie Baas

Dr. Stephanie Baas

Ärztin und Zöliakie-Expertin

Ich habe fast 20 Jahre lang die medizinische Beratung bei der DZG durchgeführt und konnte in dieser Zeit viel praktische Erfahrung sammeln.