Entspannungsmethoden
bei Magen-Darm-Beschwerden
bei Magen-Darm-Beschwerden
„Stress schlägt mir auf den Magen“ und „Ich habe mir aus Angst in die Hose gemacht“, diese Redewendungen kennt jeder, aber die medizinischen Zusammenhänge hierzu sind den wenigsten von uns bekannt. Unser Verdauungssystem reagiert empfindlich auf psychische Belastungen, denn Darm und Gehirn stehen über die sogenannte Darm-Hirn-Achse in engem Austausch. Das ist völlig normal und ist Teil physiologischer Reflexe. Gerade emotionale Anspannung kann Darmbewegungen und Darmfunktionen verändern, die Durchblutung stören und die Schmerzempfindlichkeit erhöhen. Deshalb spielen Entspannungsmethoden eine zentrale Rolle bei der Behandlung funktioneller Magen-Darm-Beschwerden, genauer gesagt bei den Erkrankungen der Darm-Hirn-Interaktion (DGBI), wie diese Erkrankungen heutzutage genannt werden. Die häufigsten dieser DGBI‘s sind der Reizmagen mit ca. 8% der Bevölkerung und das Reizdarmsyndrom (RDS) mit ca. 12 % der Bevölkerung.
Das Reizdarmsyndrom ist die häufigste funktionelle Magen-Darm-Erkrankung. Beim Reizdarmsyndrom leiden die Betroffenen unter chronischen Bauchschmerzen, Blähungen und veränderten Stuhlgewohnheiten, ohne dass sich eine organische Ursache findet. Es handelt sich um eine klassische Funktionsstörung. Die Beschwerden entstehen durch eine gestörte Darm-Hirn-Kommunikation und werden oft durch Stress, Ernährung oder hormonelle Faktoren beeinflusst. Es gibt vier Subtypen: RDS-D (Durchfalltyp), RDS-O (Verstopfungstyp), RDS-M (gemischt) und RDS-U (nicht spezifiziert). Diese Unterteilung in Subtypen ist wichtig, weil sich sowohl Diagnostik als auch Therapie am Subtyp orientiert.
Die Therapie des Reizdarmsyndroms ist in der Deutschen Behandlungsleitlinie zusammengefasst, verfolgt einen multifaktoriellen Ansatz und umfasst Basismaßnahmen und spezielle Maßnahmen. Ziel der Therapie ist die Linderung der Beschwerden und Verbesserung der Lebensqualität. Zu den Basismaßnahmen zählen Aufklärung über das Krankheitsbild, Ernährungsanpassungen (z. B. Low-FODMAP-Diät), Bewegung und Stressreduktion mit Mind-Body-Verfahren. Zu den speziellen Maßnahmen zählen der Einsatz von Medikamenten und die kognitive Verhaltenstherapie, die bei Erkrankungen der Darm-Hirn-Interaktion zum Standardrepertoire gehört. Die Medikamente werden dabei je nach Subtyp eingesetzt, etwa Spasmolytika, Probiotika, Abführmittel oder Antidiarrhoika.
Mind-Body-Verfahren regulieren und stärken die Verbindung zwischen Körper und Geist, mit der Zielsetzung Stress zu reduzieren, Magen-Darmbeschwerden zu reduzieren und die eigenverantwortliche Selbstregulation zu fördern. Mind-Body-Verfahren wirken über das Nervensystem, insbesondere über die Darm-Hirn-Achse beruhigend auf den Körper und können körperliche und seelische Beschwerden lindern. Zu den Mind-Body-Verfahren zählen verschiedenste Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation, autogenes Training und Meditationen, Hypnotherapie wie die Darmhypnose, Achtsamkeitsübungen und medizinisches Yoga. Besonders bei Erkrankungen der Darm-Hirn-Interaktion, wie dem Reizdarmsyndrom ist die Wirksamkeit dieser Maßnahmen in klinischen Studien belegt. Aus diesem Grund werden gerade Mind-Body-Maßnahmen in der Reizdarm-Behandlungsleitlinie als unverzichtbare Therapiebausteine benannt.
Reizdarm-Yoga beschreibt spezielle Yoga-Flows, die auf die Bedürfnisse von RDS-Patienten zugeschnitten sind. Dabei sind für verschiedene Leitsymptome verschiedene Yoga-Flows in klinischen Studien getestet und finden sich in Manualen zum Reizdarm-Yoga. Die Yogatherapie umfasst sanfte Bewegungen, gezielte Atemübungen und Entspannungstechniken, die die Darmmotilität positiv beeinflussen und die Stressreaktion dämpfen. In der Behandlungsleitlinie werden die positiven Effekte auf die Symptomschwere, die Lebensqualität und die psychischen Komorbiditäten diskutiert. Empfohlen wird Reizdarm-Yoga als ein ganzheitlicher Therapiebaustein für alle Patienten mit funktionellen Magen-Darm-Beschwerden. Die Sicherheit von Yoga wird als hoch eingeschätzt, relevante Nebenwirkungen sind nicht beschrieben.
Autoren: Prof. Dr. Martin Storr und Angelika Bissinger
erschienen im Trias Verlag, ISBN 9783432109367
In diesem Ratgeber erklären die Autoren die Hintergründe der Yoga-Therapie bei Reizdarm und geben genaue Anleitungen zu einzelnen Übungen und sinnvollen Yoga-Flows.