Zöliakie Diagnostik
bei Kindern
bei Kindern
Die Zöliakie-Diagnostik setzt sich aus verschiedenen Untersuchungen zusammen. Du fragst dich vielleicht, ob auch bei deinem Kind alle Tests gemacht werden müssen. Oder du hast schon aus deinem Umfeld gehört, dass sich die Diagnostik der Zöliakie bei Kindern und Jugendlichen von der beim Erwachsenen etwas unterscheidet. Damit du weißt, welche Schritte wann notwendig sind und gut vorbereitet in ein Gespräch mit deinem Kinderarzt oder einem Kindergastroenterologen gehen kannst, möchte ich dir eine ausführliche Übersicht an die Hand geben.
Bitte beachte, dass ich dir nur medizinische Fakten erläutern möchte, aber keine Diagnose stelle. Dies kann nur dein Arzt vor Ort!
Im Allgemeinen besteht die Zöliakie-Diagnostik aus zwei sich ergänzenden Untersuchungen:
Da eine Blutentnahme leichter durchzuführen ist, ist das in der Regel – vor allem bei Kindern und Jugendlichen – der erste Test, um nach einer Zöliakie zu suchen. Hier haben sich die Testverfahren in den letzten Jahrzehnten so sehr verbessert, dass immer wieder die Frage aufkam, ob denn eine Magenspiegelung immer notwendig ist.
Bei der Zöliakie handelt es sich um eine lebenslange Erkrankung, die einen deutlichen Einfluss auf den Alltag der Betroffenen und deren Familien hat. Daher ist es in allseitigem Interesse, dass die Erkrankung eindeutig und ohne Zweifel festgestellt (oder ausgeschlossen) wird. Das Problem bei der Zöliakie-Diagnostik ist, dass man sie nur unter glutenhaltiger Ernährung durchführen kann. Wenn glutenfrei gegessen wird, bilden sich die Veränderungen im Blut und an der Schleimhaut langsam zurück und sind dann nicht mehr nachzuweisen. Das heißt, wenn du oder dein Kind sich schon länger glutenfrei ernähren, kann man die Diagnostik nicht einfach so nachholen. Es müsste also zuvor erst wieder Gluten über einige Wochen gegessen werden, damit man die Tests nachholen kann. Das bringt sehr viel Unruhe und Zweifel in den Alltag. Du kannst das leicht nachvollziehen, wenn du dir vorstellst, dass du heute deinem Kind sagst, es muss auf jeden Krümel Gluten achten und darf nichts essen, was es nicht kennt. Und am nächsten Tag darf es alles wieder essen. Und wieder drei Wochen später muss es vielleicht erneut nachfragen und auf alles achten. Das klingt nach viel Verunsicherung. Daher wäre es wünschenswert, wenn die Diagnostik gleich richtig durchgeführt wird und keine Zweifel vorhanden sind.
Sollte dein Kinderarzt den Verdacht einer Zöliakie in den Raum gestellt haben, ist es wie eben dargestellt besonders wichtig, Gluten nicht zu reduzieren. Auch wenn dir das bestimmt schwerfällt – denn wer möchte seinem Kind etwas zu essen geben, das ihm schaden könnte – so denke bitte daran, dass es nur über diese Tests möglich ist, die Diagnose zu sichern und es sonst keine Klarheit gibt.
Der erste Schritt ist bei Kindern und Jugendlichen eine Blutentnahme auf die Zöliakie-Antikörper. Dabei handelt es sich um die Gewebstransglutaminase-IgA-Antikörper (Abk.: TTG-IgA-Ak). Zusätzlich sollte noch ein Gesamt-IgA-Wert bestimmt werden. Denn ein IgA-Mangel ist der häufigste Immundefekt in unserer Bevölkerung und bleibt oft lange unentdeckt. Kann eine Person nicht gut IgA-Antikörper bilden, wird sie auch nicht gut die Zöliakie-Antikörper aus dieser Antikörpergruppe produzieren. Ein niedriger Wert könnte dann auch zu den falschen Rückschlüssen führen – nämlich, dass keine Zöliakie vorliegt. Der Wert könnte aber so niedrig sein, weil diese Antikörper nicht richtig gebildet werden. Wie man in einem solchen Fall vorgeht, stelle ich dir in einem eigenen Beitrag dar.
1. Sind beide Werte (TTG-IgA-Ak und Gesamt-IgA) unauffällig, ist eine Zöliakie eher unwahrscheinlich. Da dein Kind vermutlich Symptome hat, die zu den Untersuchungen geführt haben, sollte dein Kinderarzt weitere Tests veranlassen oder dir eine Überweisung zum Facharzt wie z.B. einem Kindergastroenterologen, der sich mit Magen-Darm-Erkrankungen besonders beschäftigt, geben.
2. Ist der TTG-IgA-Antikörper erhöht, besteht ein Verdacht auf Zöliakie. Bitte auch jetzt noch nicht auf eine glutenfreie Ernährung umstellen, denn es bedarf noch einer weiteren Untersuchung, um die Zöliakie wirklich zu bestätigen.
3. Ist der TTG-IgA-Antikörper im Normbereich oder nur leicht erhöht, aber das Gesamt-IgA unter der Altersnorm, ist eine Zöliakie nicht ausgeschlossen. In diesem Fall sollte mit einem Kindergastroenterologen das weitere Vorgehen abgesprochen werden.
Um zu wissen, wie stark der Antikörper erhöht ist, gibt man an, wie vielfach der Wert über der Norm liegt. Um das zu erklären, gebe ich dir hier ein Beispiel:
Bei erhöhten TTG-IgA-Antikörperwerten ist eine Zöliakie wahrscheinlich. Um das aber tatsächlich genau zu wissen, muss man sich die Werte genauer anschauen. Am besten findet das bei einem Kindergastroenterologen oder einem Kinderarzt, der sich gut mit der Zöliakiediagnostik auskennt, statt. Denn das ist – wie ich eingangs erklärt habe – für eure Familie und dein Kind der wichtigste Moment in der Diagnostik.
Um zu wissen, wie stark der Antikörper erhöht ist, gibt man an, wie vielfach der Wert über der Norm liegt. Das möchte ich dir an einem Beispiel erklären:
Du siehst, beim Transglutaminase-IgA-Antikörper wurde in diesem Fall ein Wert von 33 gemessen. Die Norm ist auch angegeben und umfasst alle Werte unter 7. 33 ist fast das 5-fache von 7, damit wäre in diesem Fall der Wert etwa 5-fach erhöht. Daher ist es immer wichtig zu wissen, wie hoch der gemessene Wert ist, aber auch wie der Normbereich ist. Denn es gibt auch Tests, deren Norm z.B. bis 20 geht. Damit wäre ein Wert von 33 nur etwa anderthalb-fach erhöht. Das ist ein deutlicher Unterschied. Du solltest auch wissen, dass die TTG-Antikörper-Ergebnisse aus verschiedenen Laboren nicht miteinander vergleichbar sind.
Du solltest auch wissen, dass die TTG-Antikörper-Ergebnisse aus verschiedenen Laboren nicht miteinander vergleichbar sind. Deshalb ist es gut, wenn die Untersuchungen immer beim gleichen Arzt stattfinden. Nur so kann man den Verlauf der Werte wirklich beurteilen.
Für das weitere Vorgehen bei erhöhtem TTG-Antikörper kommt es darauf an, wie stark der Wert des TTG-IgA-Antikörpers bei deinem Kind erhöht ist. Das bemisst sich, wie gerade erklärt, an dem Vielfachen des Normbereichs – daher ist diese Angabe so wichtig.
Viele Kinder produzieren die Zöliakie-Antikörper sehr stark und sie haben dann Werte weit über dem 10-fachen der Norm. Bei unserem Beispiel oben wäre das also ab einem Wert über 70 gegeben. Bei einem Labor mit Norm bis 20 folglich erst ab einem gemessenen Wert über 200. Die Leitlinien haben auf Grund von Studienergebnissen festgelegt, dass bei einem so stark erhöhten TTG-IgA-Antikörper eine Biopsie zur Sicherung der Diagnose nicht zwingend notwendig ist. Auf Wunsch von Eltern und Betroffenen kann eine Biopsie aber natürlich durchgeführt werden. Es konnte nachgewiesen werden, dass bei so hohen Antikörperwerten immer auch Schleimhautveränderungen nachzuweisen sind. Das hat dann zur Schlussfolgerung geführt, dass in diesem Fall eine Biopsie zum Nachweis der Zöliakie nicht unbedingt erforderlich ist.
Da es aber grundsätzlich zu Verwechslungen von Blutproben oder anderen Missgeschicken kommen kann, muss eine zweite Blutuntersuchung durchgeführt werden, um sicher zu sein. Denn das Ergebnis hat ja unter Umständen weitreichende Folgen. Diese zweite Testung sollte dann am besten beim Kindergastroenterologen stattfinden, der die Ergebnisse aller Tests beurteilen und erklären kann.
Kindergastroenterologen findest du unter www.gpge.eu
Bei dieser zweiten Blutentnahme sollte der Endomysium-IgA-Antikörper (EmA-Ak) untersucht werden. Das ist ein etwas anderes Testverfahren als der Transglutaminase-Antikörper, aber mit vergleichbarer Sicherheit in der Aussage. Ist dieser Test dann auch positiv, also der Wert über dem Normbereich, dann gilt eine Zöliakie als gesichert.
Sollte der TTG-IgA-Antikörper über dem Normbereich liegen, aberweniger alsdas 10-fache erhöhtsein, dann muss zur Sicherung der Diagnose statt der zweiten Blutentnahme eineMagenspiegelung mit einer Probenentnahmeaus dem Zwölffingerdarm erfolgen. Dann benötigt man die Biopsie, um zu sehen, ob und wie stark die Schleimhaut verändert ist und ob sich dabei die Zöliakie bestätigt. Das dient der Sicherheit, dass dein Kind keine glutenfreie Ernährung beginnt, ohne den Beweis, dasses sich tatsächlich um eine Zöliakie handelt.
Ich fasse es für dich nochmal kurz und verständlich zusammen, damit du einen Überblick behältst. Zusätzlich findest du hier eine graphische Darstellung der diagnostischen Schritte und ein Handout als Checkliste, so dass du jeden Schritt nachvollziehen kannst.
Wichtig ist, die glutenhaltige Ernährung so lange fortzusetzen, bis die Diagnostik abgeschlossen ist!
Erster Test ist die Blutuntersuchung auf den Gewebstransglutaminase-IgA-Antikörper (TTG-IgA-Ak) und das Gesamt-IgA.
Sind diese beiden Werte jeweils in der Norm, ist eine Zöliakie eher unwahrscheinlich.
Ist der TTG-IgA-Ak erhöht, besteht der Verdacht auf Zöliakie. Es sollte weiter Gluten gegessen werden, um weitere Tests machen zu können.
Liegt der TTG-IgA-Ak über dem 10-fachen der Norm, kann eine zweite Blutentnahme auf Endomysium-IgA-Antikörper bei positivem Ergebnis zur Bestätigung der Diagnose ausreichen.
Liegt der TTG-IgA-Ak unter dem 10-fachen der Norm, muss eine Magenspiegelung durchgeführt werden, um die Diagnose zu sichern.