Zöliakie
in Schwangerschaft
und Stillzeit
in Schwangerschaft
und Stillzeit
Du hast Zöliakie und möchtest gerne ein Kind bekommen? Dann fragst du dich wie viele andere Betroffene, ob du etwas beachten musst oder kannst, damit es dir und dem Kind möglichst gut geht. Ich möchte dir in diesem Beitrag die wichtigsten Aspekte rund ums Thema Schwangerschaft und Stillzeit erläutern.
Frühere Studien hatten Ergebnisse gezeigt, die für ein häufigeres Vorkommen von Infertilität bei unbehandelter Zöliakie sprachen. In einer kanadischen Studie von 2018 fand sich allerdings kein Unterschied in der Häufigkeit der Zöliakie bei Frauen mit ungeklärtem Grund für ihre Unfruchtbarkeit gegenüber Frauen, bei denen eine Ursache gefunden werden konnte. Daher scheint die Zöliakie nicht der ausschlaggebende Grund gewesen zu sein. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch 2021 eine große schwedische Untersuchung. Diese zeigte ebenfalls, dass Zöliakie bei Infertilität nicht überdurchschnittlich häufig auftritt. Eine behandelte Zöliakie unter glutenfreier Ernährung stellt umso weniger ein Hindernis dar, dass ein Kinderwunsch in Erfüllung gehen kann. Dennoch gibt es eine Vielzahl an anderen Ursachen, warum es mit einer Schwangerschaft nicht so funktioniert, wie man sich das selbst wünscht. Eine Abklärung durch den Frauenarzt sollte nach 6 – 12 Monaten in Betracht gezogen werden.
Wenn du eine Schwangerschaft planst, wäre es tatsächlich wünschenswert, wenn sich die Antikörper bereits normalisiert haben, bevor du schwanger wirst. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie sich eine Zöliakie negativ auf eine Schwangerschaft auswirken kann. Fehlgeburten werden z.B. häufiger bei Frauen beobachtet, die sich noch nicht glutenfrei ernähren, weil sie noch nichts von ihrer Zöliakie wissen. Es werden auch eher zu kleine oder zu leichte Babys geboren, wenn die glutenfreie Ernährung noch nicht etabliert wurde. Frühgeburtlichkeit kann ebenfalls durch die Behandlung der Zöliakie mit glutenfreier Ernährung verhindert werden, was bei unbehandelter Zöliakie häufiger als üblich gesehen wird. Wenn du nun schwanger wirst, bevor sich die Antikörper normalisiert haben, dann sollte von gynäkologischer Seite die Entwicklung des Kindes gut beobachtet werden, ob sich das Kind in Bezug auf Größe und Gewicht regelrecht entwickelt und ob es Zeichen für Frühgeburtlichkeit gibt.
Ein einmaliger Diätfehler hat keine besonderen Auswirkungen. Dass es dabei zu Beschwerden kommen kann, hat nicht sofort einen Effekt auf die Entwicklung des Kindes. Häufigere oder gar regelmäßige Diätfehler können aber, wie gerade schon geschildert, ungünstige Auswirkungen auf die Schwangerschaft haben. Daher solltest du tatsächlich sehr genau darauf achten, dass es nicht zu einer Häufung von Diätfehlern kommt. Wenn du unsicher bist, kann eine Ernährungsberatung vor und während der Schwangerschaft helfen, dir mehr Sicherheit bei bestimmten Fragen zu geben.
In der deutschen Zöliakie-Leitlinie wird empfohlen (Empfehlung 2.4., Tab. 2.1), dass Frauen, die ein familiär erhöhtes Risiko für eine Zöliakie haben, weil ein Elternteil, Geschwister oder Kind von ihr daran erkrankt sind, vor einer geplanten Schwangerschaft einmal getestet werden sollten. Das gilt auch für Frauen, die auf Grund einer entsprechenden Autoimmunerkrankung wie ein Typ 1-Diabetes oder einer Schilddrüsen-Autoimmunerkrankung (Hashimoto, M. Basedow) ein erhöhtes Risiko für Zöliakie haben. Damit soll eine bisher unentdeckte Zöliakie erkannt und eine glutenfreie Ernährung möglichst vor einer geplanten Schwangerschaft begonnen werden, um negative Auswirkungen auf das ungeborene Kind zu verhindern.
Sowohl bei noch unbehandelter Zöliakie als auch bei glutenfreier Ernährung gibt es einige Vitamine und Mineralstoffe, die vermindert sein können und daher beachtet werden sollten. Für eine Schwangerschaft ist es gut, wenn der Körper der Frau optimal vorbereitet ist und es keine Defizite gibt. Bereits mit der Planung einer Schwangerschaft sollte bei jeder Frau eine Ergänzung mit Folsäure begonnen werden. Damit soll verhindert werden, dass ein Mangel zu einem Neuralrohrdefekt (Spina bifida, umgangssprachlich „offener Rücken“) führt. Zöliakie-betroffene Frauen haben häufiger einen niedrigen Folsäure-Wert, daher ist bei ihnen besonders auf die Höhe des Wertes und eine Ergänzung mit dem Vitaminpräparat zu achten. Die Einnahme sollte nach Möglichkeit bereits mindestens 6 bis 8 Wochen vor einer Schwangerschaft begonnen werden, um rechtzeitig genug Folsäure zur Verfügung zu stellen.
Vitamin B12 kann auch vermindert sein und ist ein wichtiger Baustein für die Entwicklung von Gehirn und Nerven.
Ein Eisenmangel ist das häufigste Defizit, das bei Zöliakie beobachtet wird. Viele Frauen entwickeln dabei auch eine Blutarmut, da bei zu wenig Eisenvorräten die Bildung der roten Blutkörperchen gedrosselt ist. Besteht eine solche Anämie auch in der Schwangerschaft weiter oder tritt währenddessen neu auf, kann das negative Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben mit einem höheren Risiko für eine Frühgeburt oder ein zu geringes Geburtsgewicht.
Seltener wird auf den Zinkwert geachtet, aber dieser ist nicht unwichtig: Zink fördert das Immunsystem und wird benötigt, damit der Fetus ausreichend wächst. Beides kann bei Mangel eingeschränkt sein. Ein weiterer Blickpunkt sollte der Knochenstoffwechsel mit Calcium und Vitamin D sein, auf den ein besonderes Augenmerk gelegt werden sollte. Eine ausreichende Versorgung mit diesen Nährstoffen stellen die Knochengesundheit der werdenden Mutter und eine regelrechte Entwicklung des Skeletts beim Kind sicher.
Es gibt eine neuere Untersuchung dazu, dass sich Glutenbruchstücke in der Muttermilch befinden. Auch wenn das bislang nicht so eindeutig nachgewiesen wurde, ist es durchaus nicht ungewöhnlich – auch von anderen Lebensmitteln, die die Mutter zu sich nimmt, findet man Teile in der Milch wieder. Darüber können auch Allergien z.B. gegen Kuhmilcheiweiß beim ausschließlich gestillten Kind ausgelöst werden. Andererseits stellt dieser Kontakt mit Fremdeiweißen eine wichtige Möglichkeit dar, das Immunsystem des Kindes an diese körperfremden Proteine zu gewöhnen und diese als ungefährlich einzustufen. Man nennt diesen Vorgang die Ausbildung der „oralen Toleranz“. Dieser ist ein wichtiger immunologischer Schritt: Der Körper unterscheidet zwischen körpereigenen Proteinen (Eiweißen), die er toleriert und körperfremden Eiweißen, die eigentlich bekämpft werden müssen. Bei unserer Nahrung erkennt er das Fremdeiweiß, toleriert es aber dennoch, wenn es über den Darm in den Körper gelangt.
Über Gluten wusste man lange nicht, ob dieses auch in die Muttermilch übergeht. Nun konnte eine Untersuchung nachweisen, dass die Glutenbruchstücke, die über die Dünndarmschleimhaut aufgenommen werden, über den Blutstrom weitertransportiert werden. So gelangen sie zum Brustgewebe und damit auch in die Muttermilch. Dieser Vorgang, wie Nahrungseiweiße in die Muttermilch abgegeben werden, ist bislang noch nicht gut erforscht. Diese Proteine erscheinen in sehr unterschiedlicher Konzentration und zu verschiedenen Zeiten nach dem Verzehr in der Milch. Ob ihre Wirkung auf das Baby dann einen sensibilisierenden (also krankheitsauslösenden) oder einen Toleranz-bildenden Effekt hat, ist bislang ungeklärt. Dennoch gibt es keine Häufung von Berichten, dass sich eine Zöliakie bereits beim gestillten Kind bemerkbar gemacht hat. Frühestens nach Beginn der glutenhaltigen Beikost werden Symptome einer Zöliakie beobachtet.
Während häufigere Diätfehler vor der Geburt einen ungewünschten Effekt auf das ungeborene Kind haben können, ist dies nach der Entbindung nicht mehr der Fall. Sollte es der Mutter sehr schlecht gehen, wenn sie versehentlich Gluten zu sich genommen hat, kann das vorübergehend Einfluss auf die Milchproduktion haben. Insbesondere wenn Brechreiz oder starker Durchfall dazu führen würden, dass die Mutter zu wenig Flüssigkeit im Körper hat oder nicht genug trinken kann, dann geht eventuell auch die Milchmenge zurück. Aber im Allgemeinen wird das Kind davon wenig spüren.
Nein, das muss nicht sein. Auch wenn – wie unter 6 ausgeführt –Glutenbruchstücke in die Muttermilch übergehen, ist es nicht bekannt, dass dies zu einem häufigeren oder früheren Auftreten einer Zöliakie beim Kind beiträgt. Zum Einfluss von Muttermilch auf die Entstehung der Zöliakie gibt es mittlerweile sehr viele Untersuchungen, so dass man hier gute Aussagen machen kann.
Stillen ist aus verschiedenen Gründen die beste Ernährung in den ersten 4 bis 6 Lebensmonaten. Aus Sicht eines möglichen Verhütens einer Zöliakie ist Stillen aber nicht nötig. Glutenhaltige Beikost sollte nicht vor der 17. Lebenswoche (älter als 4 Monate) begonnen werden. Man konnte mittlerweile in einigen Studien zeigen, dass Muttermilch keinen schützenden Einfluss auf das Kind hat, damit es nicht an Zöliakie erkrankt. Daher ist es natürlich wünschenswert, dass ein Baby gestillt wird, aber sollten Gründe bestehen, aus denen es nicht möglich ist, wird das Kind nicht deshalb an Zöliakie erkranken. Das sollte den Druck auf die Mutter, unbedingt stillen zu müssen, um eine Zöliakie zu verhindern, nehmen.
Das waren jetzt viele Punkte zum Thema Schwangerschaft und Stillzeit. Ich will sie dir hier einmal kurz zusammenfassen:
Neuere Studien weisen darauf hin, dass Frauen mit einer Zöliakie keine größeren Probleme haben, schwanger zu werden als Frauen ohne Zöliakie.
Allerdings kann sich eine noch nicht ausreichend behandelte Zöliakie, bei der noch oder wieder Gewebstransglutaminase-Antikörper im Blut nachzuweisen sind, auf das ungeborene Kind auswirken. Fehl-, Früh- oder Mangelgeburten mit zu geringem Geburtsgewicht könnten die Folge sein.
Daher sind vor allem häufigere oder gar regelmäßige Diätfehler zu vermeiden, da diese sich wie gesagt ungünstig auf den Schwangerschaftsverlauf auswirken könnten.
Wenn du in deiner Familie bereits einen nahen Verwandten mit Zöliakie hast oder eine Autoimmunerkrankung wie Typ 1 Diabetes oder der Schilddrüse hast, dann sollte vor der Planung einer Schwangerschaft bei dir eine bisher unerkannte Zöliakie über den Bluttest ausgeschlossen werden.
Wenn du planst, schwanger zu werden, sollten auch verschiedene Vitamine und Mineralstoffe überprüft werden: Folsäurepräparate werden allen Frauen vor einer Schwangerschaft empfohlen. Bei dir sollte auch auf Vitamin B12, Eisen, Calcium, Vitamin D und Zink geachtet werden.
Hast du selbst keine Zöliakie, kannst du Gluten in Schwangerschaft und Stillzeit unbedenklich essen. In der Muttermilch werden zwar Glutenbruchstücke gefunden, eine Zöliakie wird aber frühestens dann beim Kind entstehen, wenn es Gluten in der Beikost erhält. Mehr dazu findest du hier.
Eine glutenhaltige Beikost sollte nicht vor der 17. Lebenswoche begonnen werden. Stillen hat allerdings keinen schützenden Einfluss auf die Entwicklung einer möglichen Zöliakie, auch wenn es sonst sehr viele günstige Eigenschaften hat.